Veranstaltung: <span lang="de">By the way</span>
Ausstellung

By the way

Fotografien von Stanislav Erman

Erman findet seine Bilder in der Realität. Hier sucht er seine Motive. Dann aber verleiht er dem Gezeigten ein neues Eigenleben.

Ein Kettenkarussell dreht sich über uns, die Menschen in der Luft werden zu Schemen, verschwimmen und vermitteln ein Gefühl von Geschwindigkeit. Die Szenerie tritt zurück. Die Motive in Schwarzweiß lösen sich auf. Gegen den weißen Himmel verschwimmen die Konturen: Beine, Sitze, Ketten werden zu Strichen und Punkten. Eine eigene Struktur entsteht. Das Auge folgt einer Komposition aus Hell und Dunkel. Der Inhalt verliert an Bedeutung und es ist vielmehr das Spiel aus Licht und Schatten, das die Oberhand gewinnt.

Erman findet seine Bilder in der Realität. Hier sucht er seine Motive. Dann aber verleiht er dem Gezeigten ein neues Eigenleben. Die ursprünglichen Formen lösen sich vom Gegenstand und kraftvolle Muster entstehen. Starke Linien aus einem effektvollen Gegensatz zwischen Licht und Schatten ziehen sich durch die Fotografien. So formen beispielsweise Lichtbänder grafische Elemente, die keine konkreten Informationen liefern wollen. Erman arbeitet oft mit einem starken Kontrast zwischen Schwarz und Weiß und erhöht damit den Spannungswert seiner Aufnahmen. Einige seiner Motive modellieren sich bewusst aus der Dunkelheit und zeigen ganz reduziert das Motiv, ruhig und direkt.

Mit seinen Fotografien von Menschen in der Stadt liefert Stanislav Erman Bilder, die er auf seinen Reisen rund um den Globus eingefangen hat. Die Ausschnitte, Einblicke, Anschnitte bilden ein Kaleidoskop des Stadtlebens. Man blickt in Schaufenster und Ladenfenster und darf Menschen in ihrem Alltag entdecken, in ihren einfachen Realitäten, die direkt und ungeschönt vermittelt werden. Er zeigt dabei Motive, die hart sind und manchmal sogar stören. Diese Bilder sind gnadenlos ungeschönt. Darüber hinaus enthält Erman immer wieder genauere Informationen vor. Wichtige Informationen über die Menschen schneidet er ab, verbannt sie aus dem Bild. Er will nichts erzählen. So gelingt es ihm, das Bild spannend zu machen. Die Motive haben die Aufmerksamkeit des Betrachters und die Fragen halten ihn fest. Die Kamera scheint oft ganz beiläufig auf die Menschen gerichtet, ein Moment wird eingefangen, schnell, im Vorübergehen. Die Personen sind nicht inszeniert, nehmen oft den Fotografen nicht wahr und reagieren nicht auf das auf sie gerichtete Objektiv.

Erman geht es in seinen Fotografien nicht um die große Geste oder gar um eine sozialkritische Aussage. Auch erzählen seine Aufnahmen nichts von den Eigenarten der einzelnen Städte, nichts über den Lebensstil der Menschen oder etwa über bekannte Wahrzeichen. Der Betrachter sucht vergeblich danach. Erman will nicht informieren. Was im Bild zu finden ist, ist die spezifische Ästhetik der Großstadt. Eine Ästhetik, die überall dort zu finden ist, wo viele Menschen zusammenleben, wo die urbane Realität, das Leben in der Stadt, Spuren hinterlässt. Erman ist ein Chronist dieser Spuren, die er mit einem wachen, ja schon fast detektivischen Blick einfängt und ganz bewusst ein neues, spannendes Eigenleben führen lässt.

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Informationen

Dauer: -
Schlagworte: #Ausstellung

Mohr-Villa

Ort:Situlistraße 75, München-Freimann
Telefon:089 324 32 64
E-Mail:

Kontaktdaten Künstler*in

Stanislav Erman,
https://s-erman.de/